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Wunderbuche bei Breitenhill

Wunderbuche bei Breitenhill

 

Die Sage von der Bavaria-Buche zwischen Pondorf und Stenzenhof

Vor langer, langer Zeit, Anfang des 11. Jahrhunderts, zur Zeit der Kreuzritter, befand sich an der Stelle des jetzigen Weilers Stenzenhof nur ein einzelner adeliger Gutsbesitz. Dir Grenze desselben traf sich mit der, der Gemarkung von Pondorf, welches damals zum Kloster in Schamhaupten gehörte, in der Mulde des Flutgrabens neben der Bavaria-Buche, der auch heute noch in Richtung der jetzigen Bundesstraße 299 und dann weiter, nördlich an Neuses vorbei, in das Tal bei Altmühlmünster zur Altmühl hin führt.

Als der Gutsherr von Stenzenhof mit den deutschen Kreuzrittern fortzog, begleitete ihn seine Familie bis zur erwähnten Gemarkungsgrenze, um sich dort von ihm zu verabschieden. Da aber gerade die Frühjahrsschmelze den Flutgraben füllte, hielt man an dem nach Pondorf hin ansteigenden Anger, bei einem kleinen Buchenstämmchen an. Es tat der Ritter das Gelöbnis: Nachdem die Mohammedaner aus dem heiligen Land vertrieben seien, werde er alsbald wieder zu seiner Familie zurückkehren, so er Kampf und Strapazen überleben sollte.

Es gingen mehrere Jahre dahin. Die Herrin von Stenzenhof hörte nichts von ihrem Gemahl und er kehrte nicht zurück. Da zog ein anderer Ritter daher und warb um die Gutsherrin, weil er den schönen Landbesitz haben wollte. Die Herrin von Stenzenhof wies den Werber aber ab, da das Schicksal ihres Mannes noch ungewiß war. Dabei tat sie den Spruch: “Eher soll diese junge Buche, bei welcher mein Gemahl sich von mir verabschiedete, tausend Jahre alt werden, bevor ich einen Mann nehme, ohne daß der Tod meine erste Ehe gelöst hat.” Darauf ward der Brautwerber sehr zornig, nahm sich mit Gewalt den Besitz und verstieß die Gutsherrin mit ihren Kindern. Diese fanden Zuflucht bei den Johannietern des Klosters in Altmühlmünster. Aus Herzeleid verstarb die Rittersfrau bald und ihre Kinder zogen weiter weg, in eine fremde Gegend.

Jahre waren vergangen, als in einer stürmischen Novembernacht ein unbekannter Reiter durch Pondorf trabte. Bei der Taverne hielt er an, um sich nach langem Ritte zu stärken. Niemand erkannte ihn, als er sich nach dem Gute in Stenzenhof erkundigte und nach dessen Besitzern. Der Wirt und die neugierig herumsitzenden Bauern und Waldarbeiter erzählten ihm, daß der Ritter auf einem Kreuzzug gefallen oder verschollen sei, daß ein fremder Mann um die Gunst der Gutsherrin vergeblich geworben habe, worauf er sie mit ihren Kindern von Haus und Hof vertrieben habe.

Hierauf sagte der Reitersmann, daß er eine Botschaft von dem Ritter überbringen sollte. Da nun aber niemand mehr aus der Familie des Vermißten auffindbar sei, so wolle er, getreu dem Vermächtnis seines angeblich verschollenen Freundes, diese Botschaft und einen wertvollen Schatz, den er aus dem Orient mitgebracht habe, bei der Buche vergraben, an welcher sich der Herr von Stenzenhof von seiner geliebten Gemahlin und seinen Kindern verabschiedet habe. Dann wolle er sich auf die Suche nach den Kindern des Kreuzritters machen. Er sagte dies, zahlte seine Zeche sowie auch die der Bauern und Holzfäller, bestieg sein Pferd und ritt gen Stenzenhof der Buche zu.

Niemand in der nur von Kienspanfackeln erleuchteten Wirtsstube hatte ihn erkannt. Nur die alte Ahnfrau des Wirtes sagte tags darauf zu ihrem Sohne, dem Wirt: “Heute Nacht ist der Ritter von Stenzenhof heimgekehrt, wie traurig, daß er seine Frau und Kinder nicht mehr sehen kann.” Der Wirt sagte zu seiner Großmutter: “Woher willst du wissen, daß der fremde Reiter der Herr von Stenzenhof gewesen ist” Der ist schon lange tot, denn sonst wäre er längst zurückgekommen.” Die Ahnfrau aber sagte: “Was ich gehört habe, als er von uns wegritt, gibt mit Gewißheit. Ich aber werde mein Wissen mit ins Grab nehmen.”

Rasch machte diese Begebenheit in den wenigen geduckten Holzhäusern der kleinen Orte Pondorf, Winden, Prettenhule, Meginerstorf und Neusäß, Pondorf, Winden, Breitenhill, Megmannsdorf und Neuses nach heutiger Schreibweise die Runde und auch der neue Herr auf Stenzenhof erfuhr davon. Er hatte inzwischen eine Andre zur Gutsfrau von Stenzenhof gemacht. Zu dieser sagte er, er werde des Nachts die Botschaft und den Schatz in der Erde unter der Buche suchen und an sich nehmen. Seine Frau wollte ihn von diesem Vorhaben abhalten. Doch der Mann sagte, heute Nacht werde Schnee fallen und die Spur verdecken. So ging er vom Hofe weg, um seine Gier zu stillen. Als er aber in Richtung Buche hangabwärts stieg, verfehlte er den Weg, stürzte in den Flutgraben und brach sich beide Beine, so daß er hilflos liegenblieb. Durch den frostigen Ostwind kroch ihm die Kälte in den Gliedern hoch und ließ ihn immer mehr erstarren. Gegen Mitternacht begann es zu stürmen und zu schneien, so wie es heutzutage kaum mehr der Fall ist. Mit bangem Herzen wartete seine Frau auf die Rückkehr und als es Tag wurde, schickte sie die Knechte auf die Suche, denn sie ahnte Schlimmes. Doch diese fanden ihren Herrn nicht, ja nicht einmal eine Spur, denn der Schnee war sehr hoch. Angst und Schrecken befiel die Leute der Umgegend, als sie von dem sonderbaren Vorfall erfuhren. Erst bei der nächsten Schneeschmelze fand man den Toten.

Wegen dieses unheimlichen Geschehnisses und der vorhergegangenen Ereignisse, wagte sich niemand mehr, nach den vergrabenen Dingen zu suchen oder Axt und Säge an die Buche zu legen. Diese wuchs, wurde zu einem kräftigen Baum und breitete immer mehr ihre ƒste in schöner Form um sich herum aus, gleichsam als wolle sie die Hinterlassenschaft des schwer geprüften Kreuzritters beschützen, von welchem man nie mehr etwas erfahren hat.

Als Stenzenhof zu einem lieblichen kleinen Ort mit fünf Bauernhöfen wuchs, war bereits der 30jährige Krieg längst vergangen und die Buche stand, immer noch größer werdend, in der Flur. Des öfteren, so erzählte man sich, haben des Nachts Vorbeigehende, unerklärliche Besonderheiten vernommen, gerade in dunklen Herbst- und Winternächten. Aus dem riesigen Geäste des Baumes glaubten sie das Klappern von Pferdehufen, das Klirren von Ritterrüstungen im Kampfe und auch Schmerzensschreie herauszuhören.

Manch furchtlosem Manne kam dabei das Grauen und er schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Vielleicht war es einmal eine fromme Empfehlung an furchtsame Naturen, beim Vorbeigehen zur Gottesmutter zu beten, vielleicht war es das an einen großen Umhang erinnernde, weit ausladende und tief herabhängende Geäste, das an den Schutzmantel der Patrona Bavaria erinnert. Jedenfalls hat der nun viele Jahrhunderte alte Baum mit seiner einmaligen Formschönheit, seit langer Zeit den Namen “Bavaria-Buche”.

Prüfen wir diese Geschichte nicht auf ihren Wahrheitsgehalt – sie ist eine Sage. Mag uns die Tapferkeit des Ritters und die Treue seiner edlen Gemahlin sowie das Schicksal des Geschlechts derer von Stenzenhof ergreifen. Lassen wir das Vermächtnis und den Schatz unter der Bavaria-Buche ruhen und tragen wir zur Erhaltung dieses Naturdenkmales bei, wie unsere Vorfahren es getan!

Niedergeschrieben von Franz Fersch, 93336 Pondorf am 20. Januar 1980

 

 

Konrads Gedicht